{"id":2,"date":"2012-09-17T10:38:49","date_gmt":"2012-09-17T08:38:49","guid":{"rendered":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/?page_id=2"},"modified":"2012-11-25T13:31:03","modified_gmt":"2012-11-25T12:31:03","slug":"sample-page","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/?page_id=2","title":{"rendered":"Dt.-Chin. Beziehungen \u5fb7\u4e2d\u5173\u7cfb"},"content":{"rendered":"<p>Auszug aus \u201eChina in D\u00fcsseldorf \u2013 D\u00fcsseldorf in China (2011)<br \/>\nISBN-13: 978-3-943343-00-7<\/p>\n<p>Mit freundlicher Genehmigung der Deutsch-Chinesischen Verlagsanstalt<\/p>\n<p><strong>Deutschland und China<\/strong><\/p>\n<p><strong>von Dr. Cord Ebersp\u00e4cher<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die deutsch-chinesischen Beziehungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr den Beginn der Beziehungen zwischen Deutschland und China lassen sich viele Daten nennen. Die diplomatischen Beziehungen begannen mit dem Vertrag von Tianjin, der am 2. September 1861 unterzeichnet wurde. Aber dabei handelte es sich immerhin um einen der so genannten \u201eUngleichen Vertr\u00e4ge\u201c, also sollte man sich besser an dem Freundschaftsvertrag von 1921 orientieren, der auch von chinesischer Seite als erster \u201egleicher\u201c Vertrag Chinas \u00fcberhaupt angesehen wird? Oder schauen wir gleich in die Zeitgeschichte, das offizielle \u201eChinajahr\u201c 2012 orientiert sich an der Wiederaufnahme der deutsch-chinesischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1972 &#8211; bzw. denen der alten Bundesrepublik, denn die DDR hatte ja l\u00e4ngst wieder Beziehungen angekn\u00fcpft. Aber vielleicht sollte man sich \u00fcberhaupt von diesen Daten l\u00f6sen und etwas weiter zur\u00fcckblicken &#8211; denn China und Deutschland haben seit mehreren hundert Jahren in ganz unterschiedlichen Weisen zu einander in Beziehung gestanden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die ersten Kontakte<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So finden wir die erste chinesische Erw\u00e4hnung Deutschlands auf der Weltkarte, die der Jesuit Matteo Ricci 1584 dem Kaiserhof der Ming-Dynastie pr\u00e4sentierte und auf der sich auch ein Land namens \u201eRuermaniya\u201c \u5165\u8033\u9a6c\u5c3c\u4e9a findet. Auch in den folgenden Jahrhunderten fanden Deutschland und seine L\u00e4nder immer wieder Erw\u00e4hnung in chinesischen Weltchroniken oder Reiseberichten, insbesondere nach dem lebhaften Erwachen des chinesischen Interesses an Informationen \u00fcber die L\u00e4nder jenseits des Meeres in der Folge des Ersten Opiumkriegs 1839-1842. Jenseits davon blieb das Interesse jedoch beschr\u00e4nkt. Als Abnehmer f\u00fcr die begehrten chinesischen G\u00fcter wie Tee und Porzellan fielen die Deutschen nicht weiter auf &#8211; denn sie importierten bis in das 19. Jahrhundert fast ausschlie\u00dflich \u00fcber die weltumspannenden Handelsnetze der Briten und Niederl\u00e4nder. Umso gr\u00f6\u00dfer war das Interesse auf deutscher Seite. Die Chinabegeisterung der Fr\u00fchen Neuzeit betraf gleich drei Bereiche, die aber wiederum eng mit einander verkn\u00fcpft waren: Philosophie, Kunst und Handel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was die Philosophie angeht, fu\u00dften praktisch s\u00e4mtliche Informationen \u00fcber das \u201eReich der Mitte\u201c bis in das 17. Jahrhundert auf den Berichten und \u00dcbersetzungen der jesuitischen Missionare am Kaiserhof in Peking. Sie zeichneten das Bild einer stabilen und weisen Herrschaft, die in einem scharfen Kontrast zur Wahrnehmung der europ\u00e4ischen Monarchien stand und den Idealen der Aufkl\u00e4rung nahekam. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass der deutsche Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz China zu einem leuchtenden Vorbild verkl\u00e4rte und die Ansicht vertrat, dass es f\u00fcr Europa nur segensreich sein k\u00f6nne, wenn\u00a0 &#8211; analog zu den Jesuiten im Fernen Osten &#8211; auch China Missionare in den Westen senden w\u00fcrde, um Europa an den Segnungen seiner Zivilisation teilhaftig werden zu lassen. Die Begeisterung europ\u00e4ischer Denker f\u00fcr China war derart verbreitet, dass Georg Christoph Lichtenberg in der Mitte des 17. Jahrhunderts bereits \u00fcber die Sinophilie seiner Zeitgenossen zu spotten begann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eng mit der theoretischen Chinabegeisterung war die Leidenschaft f\u00fcr den \u201echinesischen\u201c Stil verbunden, auch wenn dieser mit dem realen China oft nur wenig zu tun hatte &#8211; in der Kunst ist die \u201eChinoiserie\u201c dieser Zeit bis heute ein stehender Begriff. Wer etwas auf sich hielt, baute chinesische Pavillons in G\u00e4rten im englischen Stil (der seine Prinzipien aus dem chinesischen Gartenbau entlehnt hatte) und sammelte chinesisches Porzellan, das im chinesischen Kabinett zahlreicher europ\u00e4ischer Pal\u00e4ste pr\u00e4sentiert wurde. Porzellan von guter Qualit\u00e4t kam grunds\u00e4tzlich aus China, wer es sich leisten konnte, bestellte sich ein Service oder mehr aus dem \u201ewei\u00dfen Gold\u201c; angefertigt wurde nach mitgelieferten Vorlagen ganz nach Wunsch in den Werkst\u00e4tten von Jingdezhen. Die ersten europ\u00e4ischen Porzellanmanufakturen konnten mit der chinesischen Qualit\u00e4t anfangs nicht mithalten und lieferten in der Mehrzahl nur minderwertige Kopien der chinesischen Vorlagen. Manche F\u00fcrsten steigerten sich so weit in ihre Leidenschaft f\u00fcrs Porzellan, dass sie nicht nur ein Verm\u00f6gen f\u00fcr originale Tassen, Teller oder Vasen ausgaben, sondern\u00a0 auch mehr investierten, beispielsweise tauschte August der Starke von Sachsen sogar gro\u00df gewachsene Landeskinder f\u00fcr die \u201eLangen Kerls\u201c des preu\u00dfischen Soldatenk\u00f6nigs f\u00fcr eine Vergr\u00f6\u00dferung seiner \u00fcppigen Porzellansammlung. Dagegen nahmen sich andere \u201eChinoiserien\u201c fast preiswert aus, wenn es sich um Wandteppiche oder Ornamente f\u00fcr die Porzellankabinette handelte, oder prunkvoller, wie die Pavillons im chinesischen Stil &#8211; oder wie man sich einen solchen vorstellte -, von denen sich ein besonders sch\u00f6nes Beispiel im Potsdamer Park von Sanscoussi befindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eng mit diesen Ph\u00e4nomenen verbunden war der Handel &#8211; in der Fr\u00fchen Neuzeit waren dies in erster Linie die gro\u00dfen Handelskompanien der Niederl\u00e4nder und der Briten. Sie brachten den Tee aus Kanton in die europ\u00e4ischen Haushalte und \u00fcber sie konnte auch das passende Geschirr &#8211; wiederum das so genannte Auftragsporzellan &#8211; bestellt werden. In Deutschland entwickelte sich die Mode des Teetrinkens denn auch in erster Linie im Norden, also den Gebieten mit geographischer Nachbarschaft und engen Handelsverbindungen zu den f\u00fchrenden Nationen des Chinahandels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Element war einer der ersten Ankn\u00fcpfungspunkte von deutscher Seite, selbst die Verbindung zu China zu suchen. 1751 erteilte Friedrich der Gro\u00dfe, preu\u00dfischer K\u00f6nig, das Octroi, also die staatliche Lizenz, f\u00fcr eine \u201eK\u00f6niglich Preu\u00dfische Ost-Asiatische Handlungs-Compagnie zu Embden\u201c. Diese preu\u00dfische Asienkompanie sollte direkte Handelsverbindungen zu China ankn\u00fcpfen und verhindern, dass weiter Gelder f\u00fcr die begehrten chinesischen G\u00fcter in das europ\u00e4ische Ausland abflossen. Der Enthusiasmus nach der R\u00fcckkehr des ersten Schiffes war so gro\u00df, dass der K\u00f6nig in einem Erlass verk\u00fcndete, dass hinfort in Preu\u00dfen nur noch Tee getrunken werden d\u00fcrfe, der von der Emder Kompanie importiert worden sei. Die Direktoren der Kompanie waren \u00fcberaus dankbar f\u00fcr so viel Zuwendung und bestellten dem Monarchen in China ein komplettes Tafelservice; leider lief das Schiff bei der R\u00fcckkehr vor Borkum auf eine Sandbank auf und &#8211; da Porzellan als Ballast \u00fcblicherweise unten im Schiff gestaut wurde &#8211; ging ein so gro\u00dfer Teil des Services zu Bruch, dass es nicht mehr zur Huldigung taugte. Auch die preu\u00dfische Asienkompanie fand ein schnelles Ende, der Siebenj\u00e4hrige Krieg beendete 1756 schlagartig ihre Aktivit\u00e4ten und s\u00e4mtliche Versuche einer Wiederbelebung scheiterten schon im Ansatz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotzdem waren die Handelsinteressen der entscheidende Faktor, der f\u00fcr Kontinuit\u00e4t in den deutsch-chinesischen Beziehungen sorgen sollte. Die Chinamode in Philosophie und Kunst ging sp\u00e4testens mit dem 18. Jahrhundert zu Ende &#8211; was Leibniz noch Kontinuit\u00e4t und Stabilit\u00e4t Chinas gewesen waren, erschien nun als Unbeweglichkeit und Verkrustung. Mit Herder erreichte die philosophische Chinaverachtung ihren Tiefpunkt, ihm erschien das Reich der Mitte nur noch als eine \u201eeinbalsamierte Mumie\u201c &#8211; China wurde somit von einem potentiellen Vorbild zu einem Hort der R\u00fcckst\u00e4ndigkeit, der &#8211; ganz im Geist des europ\u00e4ischen Kolonialismus &#8211; nur durch die westliche Zivilisation \u201eerl\u00f6st\u201c werden konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der gleichen Phase begannen jedoch Handelsverbindungen, die auf eine Qualit\u00e4t der kommerziellen Verbindungen hindeuteten, die China ansonsten erst im Laufe des 19. Jahrhunderts bekommen sollte &#8211; China als interessanter, ja geradezu m\u00e4rchenhaft erscheinender Markt. W\u00e4hrend vor allem mit dem Tee vor allem chinesische Waren begehrt waren und eher Probleme bestanden, auch nur ann\u00e4hernd gleich viele Waren nach China einzuf\u00fchren (die Briten l\u00f6sten dieses Problem mit indischem Opium), begann Preu\u00dfen, durch Russland \u00fcber den Grenzort Kiachta Tuche nach China zu verkaufen. Diese Tuche stammten in erster Linie aus schlesischer Produktion, kamen aber teilweise bis aus dem Rheinland. Diese Handelsverbindungen waren bedeutend genug, dass die Wiederer\u00f6ffnung des \u00dcberlandhandels nach China einen eigenen Verhandlungspunkt auf dem Wiener Kongress 1815 gewidmet wurde. Die Wiederer\u00f6ffnung w\u00e4hrte jedoch nicht lange, 1821 setzte das Zarenreich die Z\u00f6lle derma\u00dfen drastisch herauf, dass dieser erste kontinuierliche preu\u00dfische Chinahandel abrupt beendet wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sofort einsetzenden \u00dcberlegungen, wie der Tuchproduktion ein neuer Absatzmarkt geschaffen werden k\u00f6nne, er\u00f6ffnete dann das n\u00e4chste Kapitel deutsch-chinesischer Handelsbeziehungen: Die Fahrten der Schiffe der k\u00f6niglich preu\u00dfischen Seehandlung. Die Seehandlung entsandte noch 1822 ihr erstes Schiff auf die Reise nach Kanton und setzte diesen Chinahandel bis in die 1840er Jahre fort. Die Einsch\u00e4tzung des Chinamarktes blieb allerdings zur\u00fcckhaltend, summa summarum machte die Seehandlung mit ihren Chinaaktivit\u00e4ten nur Verluste. Entsprechend vorsichtig blieb auch das weitere staatliche Engagement: Theoretisch war Preu\u00dfen seit den 1780er Jahren in Kanton durch einen Konsul vertreten. Praktisch handelte es sich um britische Kaufleute, die mit dem Konsularstitel das Handelsmonopol der britischen East India Company unterliefen &#8211; und an der Vertretung konsularischer Interessen nur marginal interessiert waren. Um eine aktivere Vertretung in Kanton zu gew\u00e4hrleisten, suchte die Seehandlung noch Mitte der 1820er Jahre nach einem geeigneten deutschen Kandidaten &#8211; allerdings ohne Erfolg, der einzige in Frage kommende Deutsche hatte Kanton im Vorjahr verlassen. Das Interesse auf preu\u00dfischer Seite erlahmte und als 1840 der letzte nominale preu\u00dfische Konsul Ostasien verlie\u00df, wurde kein Nachfolger ernannt. Genau zu dem Zeitpunkt der wichtigsten Umw\u00e4lzung in den Beziehungen zwischen China und dem Westen gab es somit nicht einmal auf dem Papier einen Vertreter vor Ort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine neue \u00c4ra<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vertrag von Nanjing wurde 1842 als Folge des Ersten Opiumkrieges unterzeichnet. Sein meist beachteter Passus war aus deutscher Sicht die \u00d6ffnung von f\u00fcnf chinesischen H\u00e4fen f\u00fcr den westlichen Handel. Diese Nachricht l\u00f6ste in breiten Kreisen des Wirtschaftslebens geradezu enthusiastische Reaktionen aus. Es wurde geschw\u00e4rmt, hier sei ein ganzer Kontinent dem Handel erschlossen worden, die \u00d6ffnung Chinas sei ein Ereignis von welthistorische Bedeutung, nur noch vergleichbar mit der Entdeckung Amerikas &#8211; mit dem Unterschied, dass Amerika erst der Zivilisation erschlossen werden musste, w\u00e4hrend China nach den zeitgen\u00f6ssischen Hoffnungen ein lebendiger Markt sei, der praktisch nur auf deutsche Waren wartete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entsprechend gingen reihenweise Petitionen bei der preu\u00dfischen Regierung ein, die verlangten, dass der Staat nun dem Handel einen geb\u00fchrenden Anteil am chinesischen Markt sichern m\u00fcsse. Die Vorstellungen reichten von der Gr\u00fcndung einer neuen Asienkompanie bis zur Entsendung einer umfangreichen Expedition und dem Abschluss eines eigenen Vertrags mit China. Die preu\u00dfische Regierung sah die neuen Entwicklungen deutlich gelassener. Zum einen warnte die Seehandlung deutlich vor \u00fcbergro\u00dfer Begeisterung, zum anderen fehlten f\u00fcr ein martialisches Auftreten schlicht die Mittel: Die preu\u00dfische Kriegsflotte bestand 1842 aus dem Segelschulschiff \u201eAmazone\u201c &#8211; und aus einigen Ruderkanonenbooten zu K\u00fcstenschutz. Um dem \u00f6ffentlichen Druck wenigsten ein St\u00fcck weit gerecht zu werden, schickte Preu\u00dfen 1844 einen subalternen Verwaltungsbeamten, Friedrich Wilhelm Grube, zur Erkundung der neu ge\u00f6ffneten H\u00e4fen nach China. Grube hatte keinerlei Vorkenntnisse \u00fcber China, aber immerhin Erfahrungen in \u00dcbersee vorzuweisen, ausgew\u00e4hlt wurde er letztendlich in Ermangelung besserer Kandidaten mit entsprechenden Vorkenntnissen und aus Sparsamkeit. Er gab sich alle erdenklich M\u00fche und sandte regelm\u00e4\u00dfige Berichte, allerdings erkrankte er in China und verstarb bald darauf auf Java. Der Abschlussbericht, den das preu\u00dfische Finanzministerium aus Grubes Berichten zusammenstellte, kam zu dem Ergebnis, dass vom chinesischen Markt auf kurze Sicht wenig zu erwarten sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur gleichen Zeit hatten aber bereits private Unternehmen begonnen, in China aktiv zu werden. Diese erste Gruppe deutscher \u201eChinakaufleute\u201c war 1846 schon gro\u00df genug, dass sie einen offenen Brief an die preu\u00dfische Regierung richtete, der auch in diversen Tageszeitungen abgedruckt wurde, beispielsweise im \u201eHamburgischen Correspondenten\u201c. Die Chinakaufleute forderten staatliche Unterst\u00fctzung, da sie sich bislang schutzlos chinesischer Willk\u00fcr ausgeliefert sahen und von den Vertragsm\u00e4chten Gro\u00dfbritannien, Frankreich und den USA nur unzureichend vertreten f\u00fchlten. Sie w\u00fcnschten vor allem ein Konsulat, das am besten nicht allein durch einen deutschen Staat, sondern in Ermangelung eines geeinten Deutschland wenigstens im Namen des Zollvereins eingerichtet werden sollte. Auch dieses Ansinnen kam zu fr\u00fch, zaghafte Initiativen zur Einrichtung eines Zollvereinskonsulats scheiterten 1847 bereits im Ansatz &#8211; vermutlich nicht zuletzt am generellen Desinteresse der s\u00fcddeutschen Staaten. So kam es in den folgenden Jahren lediglich zur Ernennung von Konsuln durch einzelne deutsche Staaten, bis 1861 waren neben Preu\u00dfen auch die Hansest\u00e4dte Hamburg, Bremen und L\u00fcbeck, Oldenburg, Hannover, Mecklenburg-Schwerin und Sachsen in China durch Konsuln vertreten &#8211; oftmals konzentriert in nur ein oder zwei Personen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Beginn der diplomatischen Beziehungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis dahin hatten sich allerdings auf beiden Seiten die Bedingungen wiederum deutlich ver\u00e4ndert. In Deutschland hatte sich jenseits der preu\u00dfischen Zur\u00fcckhaltung eine immer st\u00e4rkere Stimmung zugunsten von vermehrten Aktivit\u00e4ten in \u00dcbersee gezeigt, die in der Revolution von 1848 einen ersten H\u00f6hepunkt erreichte. Am deutlichsten wurde diese Stimmung in Forderungen nach dem Aufbau einer Flotte und dem Erwerb von Kolonien artikuliert. Zwar scheiterte die angesichts des Krieges mit D\u00e4nemark aus dem Boden gestampfte Bundesflotte, die zudem milit\u00e4risch nur von zweifelhaftem Wert gewesen war. Als ein Resultat baute nun aber Preu\u00dfen eine Flotte auf, die 1853 ihre ersten beiden Schiffe \u00fcber den Atlantik nach S\u00fcdamerika schickte und 1856 gleich ihr erstes Fiasko bei einem Landungsunternehmen an der nordafrikanischen K\u00fcste erlebte. Zudem geriet Preu\u00dfen durch die Weltumseglung der \u00f6sterreichischen Fregatte \u201eNovara\u201c unter Druck; die \u201eNovara\u201c hatte auf ihrer Reise auch China besucht, und war dort von den Deutschen begeistert als erste offizielle Unterst\u00fctzung aus der Heimat begr\u00fc\u00dft worden. Obwohl mit dieser Expedition keine diplomatischen Ziele verbunden gewesen waren, hatte \u00d6sterreich damit gegen\u00fcber seinem innerdeutschen Rivalen Preu\u00dfen einen Erfolg erzielt. Preu\u00dfen stand also unter Zugzwang und verf\u00fcgte im Gegensatz zu 1842 nun auch \u00fcber die praktischen Mittel, um eine Expedition nach China zu entsenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in Ostasien hatte sich die Lage deutlich ver\u00e4ndert. Ein wichtiger neuer Faktor war die \u00d6ffnung Japans durch das US-amerikanische Geschwader unter Commodore Perry 1853. Fortan ging es bei einem Engagement im Handel Ostasiens nicht mehr nur um den Chinahandel, sondern um ein Einsteigen in ganze Handelsnetze &#8211; passend zum amerikanischen Vorbild hatte die junge preu\u00dfische Marine noch ganz unter dem Eindruck der Ereignisse in Japan bereits 1854 eine Ostasienexpedition angeregt, der Vorsto\u00df blieb allerdings ohne Folgen. Kurz darauf brach 1856 der Zweite Opiumkrieg aus, dessen erster Teil, der so genannte Arrow-Krieg, 1858 mit dem Vertrag von Tianjin bereits beendet schien. Das Vorgehen der Briten und Franzosen erweckte bei den deutschen Chinakaufleuten vielfach Bef\u00fcrchtungen, dass k\u00fcnftig die Handelsvereinbarungen nicht mehr stillschweigend auf den gesamten Chinahandel ausgedehnt werden w\u00fcrden, wie es nach dem Ersten Opiumkrieg und dem Vertrag von Nanjing 1842 noch der Fall gewesen war. Umso lauter wurden die Forderungen nach dem Abschluss eines eigenen Vertrages und nach st\u00e4rkerer offizieller Unterst\u00fctzung: Der preu\u00dfische Konsul in Kanton, Richard von Carlowitz, beendete ab Mitte der 1850er Jahre fast jeden seiner Berichte mit der Anregung, endlich ein preu\u00dfisches Kriegsschiff in die chinesischen Gew\u00e4sser zu entsenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst im Sommer 1859 entschloss sich die preu\u00dfische Regierung unter Federf\u00fchrung von Au\u00dfen- und Handelsministerium, nun eine Expedition nach Ostasien zu entsenden. Das Unternehmen unter der Leitung des Diplomaten Friedrich Graf zu Eulenburg sollte in erster Linie Vertr\u00e4ge mit China, Japan und Siam (dem heutigen Thailand) abschlie\u00dfen. Hinzu kamen eine Erkundung der Absatzm\u00f6glichkeiten f\u00fcr deutsche Produkte auf den Ostasiatischen M\u00e4rkten und eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Aufgaben. So geh\u00f6rten zu Eulenburgs Begleitern neben dem diplomatischen Personal u.a. auch drei Handelssachverst\u00e4ndige, ein Landwirtschaftsspezialist, ein Botaniker, ein Zoologe und ein Geograph. Die Expedition wurde mit vier Schiffen ausgestattet und bedeutete damit f\u00fcr die damals noch kleine preu\u00dfische Marine einen enormen Aufwand &#8211; allein \u00fcber die H\u00e4lfte der Seekadetten wurde auf diese Reise entsandt. Das Unternehmen war mit gro\u00dfen Erwartungen verkn\u00fcpft, denn es gelang Preu\u00dfen, bei der Eulenburg-Expedition s\u00e4mtliche Staaten des Zollvereins, die Hansest\u00e4dte und die beiden Mecklenburgs hinter sich zu bringen, und damit erstmals das gesamte \u201eau\u00dfer\u00f6sterreichische\u201c Deutschland zu vertreten &#8211; \u00fcbrigens genau die Staatenkonstellation, die 1871 das Deutsche Reich begr\u00fcndete. Ein Erfolg bedeutete einen enormen Prestigegewinn f\u00fcr Preu\u00dfen als Vorreiter Deutschlands in Ostasien, ein Scheitern bedeutete entsprechend einen herben R\u00fcckschlag f\u00fcr Preu\u00dfens innerdeutsche Ambitionen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sich das Geschwader im Fr\u00fchjahr 1860 in Singapur versammelte und auch der Gesandte Graf zu Eulenburg eingetroffen war, stand die Lage in China noch ganz im Zeichen der letzten Phase des Zweiten Opiumkriegs. Da Verhandlungen zu diesem Zeitpunkt aussichtslos erschienen, segelte Eulenburg zun\u00e4chst nach Japan. Dort gelang es ihm allerdings nach mehrmonatigen Gespr\u00e4chen lediglich, einen Vertrag f\u00fcr Preu\u00dfen zu bekommen &#8211; das besonders die Hansest\u00e4dte auf einen Beteiligung am Japanhandel gewartet hatten, war der Vertrag mit Japan somit eine Entt\u00e4uschung. Entsprechend hoch war damit der Druck auf den Gesandten f\u00fcr einen erfolgreichen Vertragsabschluss mit China. Doch der Auftakt in China gestaltete sich schwierig: Beim ersten Zusammentreffen mit einem chinesischen Offiziellen verwechselte dieser nicht nur Preu\u00dfen mit Belgien, sondern versuchte auch, Eulenburg von der Weiterreise nach Nordchina abzuhalten. Der Gesandte lie\u00df sich nicht beirren und er traf Ende April 1861 in Tianjin ein. Sein Ziel war klar, er brauchte einen Vertrag f\u00fcr s\u00e4mtliche deutschen Partner, der sowohl die Gleichberechtigung mit den anderen westlichen M\u00e4chten im Handel garantierte, als auch die Zulassung eines Gesandten in der chinesischen Hauptstadt Peking umfasste.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus Sicht der chinesischen Seite stellte sich die Angelegenheit nicht einfacher dar: Das Zongli Yamen war als Amt f\u00fcr die Angelegenheiten der westlichen Ausl\u00e4nder erst wenige Monate zuvor ins Leben gerufen worden und verf\u00fcgte \u00fcber keinerlei institutionelle Erfahrung. Dazu war China durch das gewaltsame Vorgehen Gro\u00dfbritanniens und Frankreichs erst zu neuen Vertr\u00e4gen gezwungen worden und beliebige neue Zugest\u00e4ndnisse konnten auch innenpolitische Probleme erzeugen. Die chinesischen Bevollm\u00e4chtigten f\u00fcr die Verhandlungen in Tianjin, Chong Lun und Chong Hou, bem\u00fchten sich denn auch im Vorfeld zun\u00e4chst herauszufinden, ob es sich bei dem omin\u00f6sen Preu\u00dfen-Deutschland um eine Gro\u00dfmacht, \u201e\u5927\u56fd\u201c, handelte &#8211; dem man einen Vertrag zugestehen konnte -, oder lediglich um ein weniger wichtiges Land, \u201e\u5c0f\u56fd\u201c, dem im chinesischen Interesse ein Vertrag tunlichst verweigern sollte, schon um keinen Pr\u00e4zedenzfall zu schaffen, dem dann weitere unbekannte L\u00e4nder ohne Zahl folgen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit britischer Unterst\u00fctzung war der preu\u00dfisch-deutsche Stellenwert bald gekl\u00e4rt, ebenso bestand schnell Einigkeit bez\u00fcglich eines Handelsvertrags. China hatte nach dem Ersten Opiumkrieg stillschweigend s\u00e4mtlichen fremden H\u00e4ndlern die gleichen Handelsm\u00f6glichkeiten gew\u00e4hrt wie den Vertragsstaaten, dies war also kein gro\u00dfer Schritt. Hauptschwierigkeit war die Forderung Eulenburgs nach diplomatischer Vertretung in Peking. Die st\u00e4ndige Anwesenheit von Fremden in der Hauptstadt hatte China keiner ausl\u00e4ndischen Macht gew\u00e4hren wollen und das Gesandtschaftsrecht war China erst 1860 durch den Vertrag von Peking durch Gro\u00dfbritannien und Frankreich aufgezwungen worden. Warum sollte China also Preu\u00dfen ein Recht einr\u00e4umen, das Franzosen und Briten erst nach einem Krieg zugestanden worden war? Umgekehrt konnte Eulenburg gerade auf diesen Punkt auf keinen Fall verzichten; sollte er nicht die gleichen Bedingungen wie die anderen westlichen Gro\u00dfm\u00e4chte erzielen und mit einem Vertrag \u201ezweiter Klasse\u201c zur\u00fcckkehren, w\u00e4re seine Mission nach dem partiellen Scheitern in Japan endg\u00fcltig zum diplomatischen Fiasko geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit erreichten die Unterhandlungen, die im Mai 1861 begonnen hatten, bereits im Juni einen toten Punkt. Beide Seiten beharrten auf ihren Standpunkten, auf dem H\u00f6hepunkt drohte Eulenburg damit, pers\u00f6nlich in Peking vorstellig zu werden und sandte zur Demonstration seinen Attach\u00e9 Max von Brandt voraus, um Quartier zu machen. Das unangemeldete Auftauchen der ersten Preu\u00dfen in der chinesischen Hauptstadt f\u00fchrte zu einem Eklat, der auch das Ende der Verhandlungen h\u00e4tte bedeuten k\u00f6nnen. Doch zur gleichen Zeit hatte sich Prinz Gong, der Bruder des Kaisers und Chef des Zongli Yamen, entschieden, den Preu\u00dfen entgegen zu kommen. Hintergrund waren Gespr\u00e4che zwischen Prinz Gong und den britischen und franz\u00f6sischen Gesandten, von denen besonders der letztere ein Interesse hatte, eine preu\u00dfische Vertretung als m\u00f6glichen Verb\u00fcndeten gegen die britische Vormachtstellung zu bekommen. Zudem willigte Eulenburg ein, das\u00a0 Gesandtschaftsrecht erst nach einer Frist von f\u00fcnf Jahren in Kraft treten zu lassen. So kam es im August 1861 zur Einigung \u00fcber die Vertragsinhalte des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag zwischen Preu\u00dfen-Deutschland und China. Nachdem das Vertragswerk noch kurz vor seinem Tod vom Xianfeng-Kaiser genehmigt worden war, wurden die Vertragsfassungen am 2. September 1861 in Tianjin unterzeichnet &#8211; insgesamt drei Fassungen auf Chinesisch, Deutsch und Franz\u00f6sisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Vertrag war der Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China. Er stimmte in seinen Inhalten weitgehend mit den vorher abgeschlossenen britischen und franz\u00f6sischen Vertr\u00e4gen mit China \u00fcberein und brachte Deutschland in den Genuss s\u00e4mtlicher China aufgezwungener Vorrechte, im Besonderen der Exterritorialit\u00e4t, die besagte, dass deutsche Staatsangeh\u00f6rige bei Vergehen in China nicht von den chinesischen Beh\u00f6rden abgeurteilt werden durften, sondern der deutschen Konsulargerichtsbarkeit unterstanden. Wichtig war zudem die Aufnahme der Meistbeg\u00fcnstigungsklausel, der zufolge Deutschland automatisch von s\u00e4mtlichen weiteren Vorrechten profitieren w\u00fcrde, die China anderen ausl\u00e4ndischen M\u00e4chten zugestehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Vertrag von Tianjin bedeutete ebenfalls den Eintritt Preu\u00dfen-Deutschlands in das System der so genannten \u201eUngleichen Vertr\u00e4ge\u201c. Er blieb mit geringen Abweichungen bis in den Ersten Weltkrieg die vertragliche Grundlage f\u00fcr das deutsch-chinesische Verh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Imperialismus \u201elight\u201c?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Gro\u00dfunternehmen Eulenburg-Expedition und dem erfolgreichen Vertragsabschluss r\u00fcckten die deutsch-chinesischen Beziehungen f\u00fcr beide Seiten erst einmal in den Hintergrund. Deutschland war im folgenden Jahrzehnt zu sehr mit der innerdeutschen Politik und den Kriegen von 1864, 1866 und 1870\/71 besch\u00e4ftigt, die 1871 zur Gr\u00fcndung des deutschen Reiches f\u00fchrten, als dass in dieser Phase von einer ernsthaften Chinapolitik gesprochen werden k\u00f6nnte. Auch f\u00fcr China spielte Deutschland eine allenfalls marginale Rolle; au\u00dfenpolitisch dominierten weiter die Gegner der Opiumkriege sowie Russland Chinas Wahrnehmung und innenpolitisch war die Aufmerksamkeit der chinesischen Entscheidungstr\u00e4ger v\u00f6llig von der Niederschlagung der Rebellionen, allen voran der Taiping, in Anspruch genommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Preu\u00dfen entsandte noch 1862 mit Guido von Rehfues seinen ersten Vertreter nach China. Er tauschte in Shanghai die Ratifikationsurkunden aus und fungierte formal zun\u00e4chst als Generalkonsul in Shanghai, bevor er nach Ablauf der vereinbarten Frist die Gesch\u00e4fte als preu\u00dfischer Gesandter in Peking \u00fcbernahm. Seine Hauptaufgabe war in dieser Zeit die Reorganisation des Konsularwesens und die Einrichtung einer Konsulargerichtsbarkeit. Diplomatisch trat er wenig in Erscheinung und hatte strikte Weisung aus Berlin, sich an dem Vorgehen seiner westlichen Kollegen zu orientieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stellung Deutschlands \u00e4nderte sich dann beinahe schlagartig mit dem Sieg \u00fcber Frankreich und der Reichsgr\u00fcndung im Januar 1871. Der Sieg der bis dahin kaum wahrgenommenen Preu\u00dfen und seiner deutschen Verb\u00fcndeten gegen Frankreich, also einem von Chinas Hauptgegnern aus dem Zweiten Opiumkrieg, wurde in China genauestens registriert. Die Reaktion folgte umgehend, noch im gleichen Jahr nahm die \u00dcbersetzungshochschule f\u00fcr den chinesischen ausw\u00e4rtigen Dienst, das Tongwenguan, das bis dahin nur Englisch, Franz\u00f6sisch und Russisch unterrichtet hatte, auch Deutsch in sein Programm auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den folgenden zwei Jahrzehnten bildete sich ein gewisses Sonderverh\u00e4ltnis zwischen den beiden L\u00e4ndern heraus, das sich besonders auf die milit\u00e4rische Modernisierung Chinas auswirkte. China hatte nach der Niederlage im Zweiten Opiumkrieg und den milit\u00e4rischen Desastern gegen die Taiping-Rebellion ein Programm zur Selbstst\u00e4rkung ins Leben gerufen, das sich in erster Linie auf Milit\u00e4r und Marine bezog. Das Deutsche Reich erschien als geradezu idealer Partner: Deutschland hatte mit Frankreich eine europ\u00e4ische Gro\u00dfmacht eindrucksvoll geschlagen und schien in Ostasien gleichzeitig keine aggressiven Ambitionen zu verfolgen. Ab den 1870er Jahren kauften chinesische Generalgouverneure zun\u00e4chst Gewehre und Kanonen, sp\u00e4ter auch Panzerschiffe und Torpedoboote in Deutschland und stellten deutsche Milit\u00e4rberater ein. Die deutsch-chinesische Milit\u00e4rkooperation sollte sich &#8211; allerdings nicht kontinuierlich &#8211; bis weit in das 20. Jahrhundert fortsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichwohl trat Deutschland in China mit den gleichen Anspr\u00fcchen auf wie die anderen westlichen Gro\u00dfm\u00e4chte. War es f\u00fcr Gro\u00dfbritannien oder Frankreich selbstverst\u00e4ndlich, im Zeitalter der Kanonenbootsdiplomatie Politik durch die Pr\u00e4senz von Kriegsschiffen zu begleiten, so stationierte auch Deutschland noch 1869\/70 mit den Korvetten \u201eHertha\u201c und \u201eMedusa\u201c seine ersten Kriegsschiffe in den chinesischen Gew\u00e4ssern. Die Ostasiatische Station, in der China das Haupteinsatzgebiet darstellte, war das einzige Seegebiet, das bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs st\u00e4ndig besetzt blieb. Deutschland war durchaus bereit, Forderungen durch &#8211; wenn auch begrenzte &#8211; Landungsoperationen zu unterst\u00fctzen, wie beispielsweise bei dem so genannten \u201ePfannenkrieg von Amoy\u201c, bei dem 1883 ein Landungsdetachment von S.M.S. \u201eElisabeth\u201c eine Ladung beschlagnahmte Zuckersiedepfannen aus dem Amtsgeb\u00e4ude des \u00f6rtlichen Magistrats holte und im deutschen Konsulat sicherstellte &#8211; wobei der chinesische Beamte das Recht wohl eigentlich auf seiner Seite gehabt hatte. Fast noch grotesker war ein fast zeitgleiches Landungsunternehmen im s\u00fcdchinesischen Shantou, bei dem eine Reihe von Markierungspf\u00e4hlen um ein strittiges Grundst\u00fcck entfernt wurden. Doch letztendlich blieb diese Phase der deutschen Kanonenbootpolitik vergleichsweise harmlos &#8211; wenn man von der permanenten latenten Drohung absieht, die mit der Marinepr\u00e4senz durchaus beabsichtigt war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kiautschou und Boxeraufstand<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 1890er Jahren setzte eine neue Phase ein, die bis heute wohl am ehesten im popul\u00e4ren Ged\u00e4chtnis geblieben ist und sowohl auf deutscher wie chinesischer Seite oft mit den beiderseitigen Beziehungen in der sp\u00e4ten Qing-Zeit bzw. dem Deutschen Kaiserreich identifiziert wird. Die Voraussetzungen wurden durch das Ende der Bismarck-\u00c4ra 1890 und Chinas Niederlage gegen Japan 1894\/95 eingeleitet. Mit der Entlassung Bismarcks als Reichskanzler und dem Beginn der so genannten Wilhelminischen \u00c4ra ging ein aggressiveres Auftreten einher; Deutschland sollte als Gro\u00dfmacht global wahrgenommen werden und seine Anspr\u00fcche gegebenenfalls auch mit der Waffe vertreten. Umgekehrt begann mit der Niederlage Chinas im chinesisch-japanischen Krieg ein regelrechter Wettlauf zur Sicherung der besten Position und der meisten Vorrechte, der von westlicher Seite als \u201eScramble for China\u201c, von chinesischer Seite als \u201eFen Gua\u201c, das Aufteilen der Melone, bezeichnet worden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits kurz nach Ausbruch des Krieges in Ostasien hatte Deutschland eine Kreuzerdivision nach China entsandt, nachdem man rund zehn Jahre mit der Anwesenheit von zwei Kanonenbooten zufrieden gewesen war. Als die ersten Ger\u00fcchte nach Berlin drangen, dass andere M\u00e4chte im Falle einer chinesischen Niederlage die Annexion von Gebieten in China planten, ordnete Kaiser Wilhelm II. postwendend an, dass Deutschland dann nicht zur\u00fcckstehen d\u00fcrfe. Gew\u00fcnscht wurde ein St\u00fctzpunkt f\u00fcr die deutschen Kriegsschiffe in Ostasien, der aus wirtschaftlicher Sicht gleich zu einem \u201edeutschen Hongkong\u201c hochstilisiert wurde. Als China dann Deutschland f\u00fcr seine diplomatische Unterst\u00fctzung f\u00fcr die weitgehenden japanischen Forderungen Kompensation anbot, schien die Zeit reif, aber zun\u00e4chst bekam man lediglich Niederlassungen in Tianjin und Hankou.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Suche nach einem geeigneten St\u00fctzpunkt wurden zielstrebig fortgesetzt und eine ganze Reihe von Hafenpl\u00e4tzen und Inselgruppen auf ihre Verf\u00fcgbarkeit gepr\u00fcft &#8211; die Wahl fiel schlie\u00dflich auf die Bucht von Jiaozhou an der S\u00fcdk\u00fcste der Provinz Shandong. Noch 1897 suchten die deutschen Vertreter fieberhaft nach einem Anlass, der sich als Grund f\u00fcr eine Annexion ausnutzen lie\u00df. Im Herbst war der deutsche Gesandte Edmund von Heyking gerade dabei, einige von chinesischen Jugendlichen vor Wuchang auf ein Landungsboot der Marine geworfene Steine zu einer Beleidigung der Flagge und damit zu einem Annexionsanlass auszubauen, als die Nachricht von der Ermordung zweier deutscher Missionare in der Provinz Shandong bekannt wurde. \u00dcber alle Bedenken von Diplomatie und Politik hinweg beorderte Wilhelm II. den Chef der Kreuzerdivision, Admiral von Diederichs, sofort die Bucht von Kiautschou zu besetzen. Landung und Besetzung des Gebietes verliefen bemerkenswert reibungslos und bereits wenige Monate sp\u00e4ter wurde ein Pachtvertrag auf 99 Jahre abgeschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Pachtgebiet der Bucht von Jiaozhou (bzw. Kiautschou nach alter Umschrift) wurde in den folgenden Jahren unter der Regie des Reichsmarineamts unter Einsatz erheblicher finanzieller Mittel mit dem Anspruch einer Musterkolonie ausgebaut. Dabei erf\u00fcllte es nie die urspr\u00fcnglichen Erwartungen: F\u00fcr den deutschen Handel war das wirtschaftliche prosperierende Yangtsetal immer weitaus interessanter und als Marinest\u00fctzpunkt blieb seine Bedeutung marginal, zwar stellte Qingdao den Heimathafen f\u00fcr das deutsche Kreuzergeschwader, aber strategisch hatte der Hafen als Basis in dem Tirpitz\u2018schen Flottenkonzept eigentlich bereits w\u00e4hrend seines Baus jegliche Bedeutung verloren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste deutsche Kolonie auf chinesischem Boden hatte Folgen. Die Landung in der Bucht von Jiaozhou l\u00f6ste eine ganze Reihe weiterer Annexionen durch die anderen westlichen M\u00e4chte aus. Dazu trug das deutsche Ausgreifen in die Provinz Shandong, wo Eisenbahnbau und Kohlenbergwerke mit Truppenpr\u00e4senz und Strafexpeditionen einher gingen, nicht unerheblich zur Herausbildung einer Bewegung bei, die 1900 fast die ganze Welt in Atem halten sollte: Die Yihetuan, im Westen bekannt als Boxeraufstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Boxerbewegung entstand als b\u00e4uerliche Protestbewegung, die sich in ihren Anf\u00e4ngen gegen die herrschende Dynastie, in ihrer Ausbreitung aber zunehmend gegen die Pr\u00e4senz der Fremden in China, vor allem der Missionare und ihren chinesischen Konvertiten richtete. Teile der chinesischen Regierung versuchten, die Boxer f\u00fcr sich zu instrumentalisieren und im Fr\u00fchjahr 1900 kam es zur Eskalation. Als die Lage in und um die chinesische Hauptstadt Peking immer unsicherer wurde, entsandten die M\u00e4chte Gesandtschaftswachen. Als dann in Peking im Verlauf des Juni die Lage langsam immer schwieriger und die Stadt zunehmend von der Verbindung nach au\u00dfen abgeschnitten wurde, griffen die westlichen M\u00e4chte die Taku-Forts an und er\u00f6ffneten damit den eigentlichen Boxerkrieg. Bei dem Versuch, mit einer internationalen Expedition von Marinetruppen unter dem britischen Admiral Seymour nach Peking vorzudringen, kam es zu Zusammenst\u00f6\u00dfen mit regul\u00e4ren chinesischen Truppen, die das Unternehmen zum R\u00fcckzug zwangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschland hatte sich an dem Kampf um die Taku-Forts und die Seymour-Expedition mit den Marinestreitkr\u00e4ften beteiligt, die ohnehin bereits in China stationiert gewesen waren. W\u00e4hrend die meisten anderen Nationen Kolonialtruppen entsandten oder, wie Russland und Japan, kurze Transportwege hatten, kamen die schnell auf den Weg gebrachten Seebataillone zu sp\u00e4t, um noch am Vormarsch auf Peking teilzunehmen &#8211; sie waren erst zur Siegesparade dabei. Nach der Meldung von der Ermordung des deutschen Gesandten in Peking, Clemens von Ketteler, stellte Deutschland mit Freiwilligen aus den deutschen Armeen ein Ostasiatisches Expeditionskorps auf, das sich zum bis dahin gr\u00f6\u00dften milit\u00e4rischen Unternehmen der deutschen Geschichte in \u00dcbersee auswachsen sollte. Insgesamt wurden in China w\u00e4hrend des Boxeraufstands \u00fcber 20.000 Deutsche eingesetzt. Dazu sicherte sich Deutschland &#8211; zumindest formal &#8211; den Oberbefehl \u00fcber die internationalen Truppen in China, Feldmarschall von Waldersee wurde allerdings schon zeitgen\u00f6ssisch als \u201eWeltmarschall\u201c verspottet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich war dieser H\u00f6hepunkt des deutschen Imperialismus in China insgesamt kein Ruhmesblatt. Bereits zur Verabschiedung des Expeditionskorps hatte Kaiser Wilhelm II. mit seiner \u201eHunnenrede\u201c f\u00fcr Aufsehen gesorgt, in der er die Truppen anwies in China so aufzutreten, dass es auf 100 Jahre kein Chinese wage, einen Deutschen auch nur schief anzusehen. Die deutschen Truppen kamen zu sp\u00e4t f\u00fcr die eigentlichen milit\u00e4rischen Operationen und konnten sich nur noch in so genannten Strafexpeditionen beweisen &#8211; der gr\u00f6\u00dfte Teil des Einsatzes in China bestand aus Langeweile und die meisten Verluste waren aufgrund von Krankheiten zu beklagen. Noch im Verlauf des Jahres 1900 tauchten zudem die ersten \u201eHunnenbriefe\u201c auf, in denen Teilnehmer der Chinaexpedition von Pl\u00fcnderungsz\u00fcgen und Massakern an der Zivilbev\u00f6lkerung berichteten. Auch Waldersee wurde von den Verb\u00fcndeten kaum ernst genommen, besonders Japaner und Russen k\u00fcmmerten sich wenig bis gar nicht um seine Vorstellungen vom Vorgehen in China.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund ist es vor allem bemerkenswert, wir wenig dauerhaften Schaden die deutsche Chinaexpedition auf lange Sicht in den deutsch-chinesischen Beziehungen angerichtet hat. Bereits in den Jahren zwischen Abschluss des Boxerprotokolls 1901 und der Xinhai-Revolution 1911 kam es zu einer gewissen Normalisierung des Verh\u00e4ltnisses. Vor dem Hintergrund der zunehmenden diplomatischen Isolation des Deutschen Reiches in Europa, die sich nat\u00fcrlich auch auf die Stellung in Ostasien auswirkte, kam China gerade ein halbes Jahrzehnt nach dem Boxeraufstand sogar als B\u00fcndnispartner in Frage: Um die diplomatische \u201eAuskreisung\u201c zu durchbrechen, dachten deutsche Diplomaten \u00fcber einen \u201eostasiatischen Dreibund\u201c nach, der sich aus China, Deutschland und den USA zusammensetzen sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jahre des Wandels<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Dekade zwischen 1911 und 1921 brachte erhebliche Ver\u00e4nderungen f\u00fcr beide L\u00e4nder und ihre Beziehungen. Den Auftakt bildete die chinesische Revolution von 1911: Zwar hatte die Qing-Dynastie noch unter dem Eindruck des Boxeraufstands mit weitgehenden Reformen begonnen, die von einer grundlegenden Revolutionierung des Bildungswesens bis zur Einrichtung von Parlamenten und der Vorbereitung einer Verfassung reichten, doch im Herbst 1911 kam es zu einem Aufstand in der Wuchanger Garnison, der sich schnell ausbreitete und schlie\u00dflich zum Sturz der Qing f\u00fchrte. Die republikanische Phase w\u00e4hrte aber nicht lange, nach kurzer Zeit \u00fcbernahmen Yuan Shikai vor allem aufgrund seiner Rolle als General der Beiyang-Armee die Pr\u00e4sidentschaft und China glitt in eine Zeit der Warlords und des B\u00fcrgerkriegs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Deutsche Reich hatte in den Jahren vor 1911 wieder relativ stabile Beziehungen zu China aufgebaut und die Qing-Regierung teilweise auch bei ihren Reformvorhaben unterst\u00fctzt. Selbst w\u00e4hrend der Revolution hoffte man von deutscher Seite auf ein \u00dcberleben der kaiserlichen Regierung und leistete trotz Neutralit\u00e4t auch informelle milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung. Nach dem Ende der Dynastie bem\u00fchte sich Deutschland dann umgehend um gute Verbindungen zur neuen Regierung unter Yuan Shikai; diese Bem\u00fchungen waren durchaus erfolgreich, 1913 begannen beispielsweise Planungen f\u00fcr eine neue, umfassende deutsche Milit\u00e4rberaterschaft zur Fortentwicklung einer modernen chinesischen Armee.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das deutsche Engagement in China wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 abrupt unterbrochen. China blieb neutral, so dass die diplomatischen Beziehungen weiter bestanden, aber aufgrund der britischen Seeblockade kam der deutsche \u00dcberseehandel praktisch zum Erliegen. Die deutsche Marinepr\u00e4senz wurde ebenfalls beendet, das Kreuzergeschwader verlie\u00df die chinesischen Gew\u00e4sser, die Kanonenboote wurden in der Bucht von Jiaozhou zusammengezogen und die Flusskanonenboote abger\u00fcstet und aufgelegt. S\u00e4mtliche deutschen Wehrpflichtigen aus Ost- und S\u00fcdostasien hatten sich nach Qingdao zum Milit\u00e4rdienst einzufinden. Qingdao selbst wurde von japanischen und britischen See- und Landstreitkr\u00e4ften eingeschlossen und kapitulierte nach dreimonatiger Belagerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Parallel entwickelte sich ein diplomatisches Tauziehen um China. W\u00e4hrend die Entente-M\u00e4chte, allen voran Gro\u00dfbritannien, sich bem\u00fchten, mit Geld und Versprechungen China in den Krieg gegen Deutschland hineinzuziehen, waren die deutschen Diplomaten ebenso bem\u00fcht, China aus dem Krieg herauszuhalten. Ihr Problem war, dass sie au\u00dfer Versprechungen wenig zu bieten hatten, sie konnten immer nur auf die Zeit nach dem Krieg im Falle eines Sieges der Mittelm\u00e4chte verweisen. Es spricht f\u00fcr das solide Verh\u00e4ltnis zwischen China und Deutschland, dass es bis 1917 dauern sollte und erst der Intervention der USA bedurfte, um China schlie\u00dflich zum Kriegseintritt zu bewegen. Im M\u00e4rz brach China zun\u00e4chst die diplomatischen Beziehungen ab und im August folgte die Kriegerkl\u00e4rung an die Mittelm\u00e4chte. Deutschland musste seine Gesandtschaft seine Konsulate schlie\u00dfen, die Vertretung der deutschen Interessen \u00fcbernahmen die weiter neutralen Niederlande. Die deutschen Niederlassungen in Tianjin und Hankou wurden &#8211; zun\u00e4chst formal provisorisch &#8211; der chinesischen Kontrolle unterstellt und nach der deutschen Kapitulation begann China auf Druck der Siegerm\u00e4chte, die Deutschen aus China auszuweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch bereits 1919 wendete sich das Blatt. Bei den Verhandlungen in Versailles wurden Japan die deutsche Kolonie Jiazhou und s\u00e4mtliche vertraglichen Vorrechte der Deutschen in der Provinz Shandong zugesprochen. Nicht genug damit, es gab sogar Initiativen von britischer Seite, China die deutschen Niederlassungen wieder abzunehmen und internationaler &#8211; also westlicher &#8211; Kontrolle zu unterstellen. Als die Nachricht nach China drang, dass in Shandong mit der Entscheidung f\u00fcr Japan praktisch nur eine Kolonialmacht gegen die andere ausgewechselt wurde und China trotz seines Kriegseintritts leer ausging, brachen in China breite Proteste aus, die als 5. Mai-Bewegung bekannt geworden sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">China war zwar gegen Deutschland in den Krieg eingetreten, sah sich aber wie Deutschland einem Friedensvertrag ausgesetzt, in dem es sich zutiefst ungerecht behandelt f\u00fchlte &#8211; mit dem Unterschied, dass China die Wahl hatte und den Vertrag nicht unterzeichnete. Damit standen somit China und Deutschland wiederum auf der gleichen Seite, indem sie sich als Verlierer von Versailles betrachteten. So kam es zu neuen Verhandlungen, um die diplomatischen Beziehungen nicht nur wieder herzustellen, sondern auf eine neue Stufe zu heben. In dem Vertrag von 1921 verzichtete Deutschland auf s\u00e4mtliche Vorrechte aus den \u201eungleichen Vertr\u00e4gen\u201c, beide L\u00e4nder waren &#8211; zumindest auf dem Papier &#8211; k\u00fcnftig gleichberechtigt. Der deutsch-chinesische Vertrag von 1921 wird denn auch in China als Chinas erster \u201egleicher Vertrag\u201c angesehen, auch wenn anzumerken ist, dass der deutsche Verzicht auf seine Sonderrechte letztendlich nicht ganz freiwillig erfolgte, sondern eine Folge der Niederlage im Ersten Weltkrieg war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Republik und Diktatur<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">China wie Deutschland waren danach bestrebt, die Beziehungen wieder aufzubauen. Die Handelsverbindungen, die seit 1914 abgerissen gewesen waren, kamen aber nur langsam wieder in Gang &#8211; obwohl China beispielsweise der Bremer Chinafirma Melchers &amp; Co. zu deren gro\u00dfer \u00dcberraschung deren Firmengrundst\u00fccke in Hankou zur\u00fcckerstattete, das Klima f\u00fcr die Deutschen in China also ausgesprochen g\u00fcnstig war. Gehemmt wurde ein intensiverer Austausch durch innenpolitische Probleme: In Deutschland hatte die Weimarer Republik mit politischen Schwierigkeiten im Innern und zudem mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen zu k\u00e4mpfen, wie der gro\u00dfen Inflation von 1923. China dagegen stand in der ersten H\u00e4lfte der 1920er Jahre noch ganz im Zeichen der Warlord-\u00c4ra und erst mit dem Abschluss des Nordfeldzuges 1928 gelingt es Jiang Jieshi (besser bekannt als Tschiang Kai-shek), wieder eine ernstzunehmende republikanische Regierung zu etablieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">China entwickelt sich gerade in der zweiten H\u00e4lfte der 1920er Jahre zu einem wichtigen Partner Deutschlands. Deutschland leistete China milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung, neben der Lieferung von Waffen besonders ab Ende der 1920er Jahre mit Milit\u00e4rberatern zur Ausbildung der Nationalchinesischen Armee. Diese Zusammenarbeit wurde auch durch Deutschlands Weg in die Diktatur durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht weiter beeintr\u00e4chtigt. Im Gegenteil interessierte sich Jiang Jieshi f\u00fcr den Faschismus als Herrschaftsmodell, so baute er analog zu den italienischen Schwarzhemden die Blauhemden der Guomindang auf und war bestrebt, Elemente des F\u00fchrerprinzips einzuf\u00fchren. Diese Bestrebungen d\u00fcrfen allerdings nicht \u00fcbersch\u00e4tzt werden, international orientierten sich viele Regime bis hin zu Nicaraguas Diktator Somoza f\u00fcr die Erfolge vor allem der italienischen Faschisten &#8211; dies ist nicht mit einer \u00dcbernahme der nationalsozialistischen Weltanschauung zu verwechseln. Die deutsch-chinesische Milit\u00e4rzusammenarbeit wurde bis weit in die 1930er Jahre fortgesetzt und beeinflusste beispielsweise auch die Kampagnen gegen die von den Kommunisten kontrollierten Gebiete in S\u00fcdchina. Die Komplexit\u00e4t des deutsch-chinesischen Verh\u00e4ltnisses in dieser Zeit wird aber weiter dadurch belegt, dass mit Otto Braun zur gleichen Zeit auch die Kommunistische Partei Chinas einen deutschen Milit\u00e4rberater hatte, der sie auch auf dem Langen Marsch begleitete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die wirtschaftlichen Beziehungen prosperierten, besonders zwischen 1929 und 1936 stieg der deutsche Anteil am Chinahandel enorm und Deutschland rangierte bei den Exporten nach China schlie\u00dflich auf Platz 2 direkt hinter den USA, bei dem Import chinesischer Produkte lag es auf Platz 3. Diese Erfolge wurden durch eine enge Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft beg\u00fcnstigt, so sorgte die 1934 ins Leben gerufene und nur nominell private Handelsgesellschaft f\u00fcr Industrielle Produkte (HAPRO) f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil des G\u00fcteraustauschs. Deutschland war ebenso stark am industriellen Aufbau Chinas beteiligt, bei der Ausbildung von technischem Fachpersonal genauso wie bei dem Aufbau industrieller Zentren nach dem gemeinsamen Dreijahresplan von 1936.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Plan konnte aber nur noch in Teilen verwirklicht werden. Die deutsch-chinesischen Beziehungen hingen &#8211; wie dies in ihrer Geschichte immer wieder der Fall war &#8211; stark von der politischen Gro\u00dfwetterlage ab. Das Deutsche Reich, Italien und Japan schlossen 1936 den Anti-Komintern-Pakt ab. Zur gleichen Zeit nahm Deutschland Handelsbeziehungen zum japanischen Marionettenstaat Mandschukuo auf. Damit r\u00fcckte Japan immer mehr in das Zentrum der deutschen Ostasienpolitik. So entschied sich die deutsche F\u00fchrung nach dem japanischen Angriff auf China 1937 gegen den Widerspruch wirtschaftlicher und diplomatischer Kreise, auf die japanische Karte zu setzen. Die Milit\u00e4rberater wurden abgezogen und die staatlichen kontrollierten Handelsbeziehungen eingestellt. Durch das 1938 noch informelle B\u00fcndnis zwischen Deutschland und Japan (die Vereinbarung der sogenannten \u201eAchsenm\u00e4chte\u201c wurde erst 1940 unterzeichnet) kam es w\u00e4hrend des Massakers an der Zivilbev\u00f6lkerung in Nanjing im Winter 1937\/38 zu der paradoxen Situation, dass der Siemens-Mitarbeiter John Rabe an der Spitze eines Internationalen Hilfskomitees ausgerechnet unter dem Symbol des Hakenkreuzes Tausenden von Chinesen das Leben retten konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Formal bestanden die Beziehungen zwischen Deutschland und China noch bis 1941 weiter, die Verbindungen lagen aber bereits nach der deutschen Anerkennung der japanischen Besatzungsregierung Chinas unter Wang Jingwei im Juli 1941 auf Eis. Unter dem Eindruck des japanischen Angriffs auf die USA in Pearl Harbour schloss sich China dann des Alliierten an und erkl\u00e4rte Deutschland am 9. Dezember 1941 den Krieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Deutschland und China bis heute<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Zweiten Weltkrieg war das deutsch-chinesische Verh\u00e4ltnis von der Abh\u00e4ngigkeit der beiden deutschen Staaten von ihren jeweiligen F\u00fchrungsm\u00e4chten im Kalten Krieg bestimmt. So nahm die DDR 1949 im Schlepptau der Sowjetunion Beziehungen zur Volksrepublik China auf, die praktisch aber bereits rund zehn Jahre sp\u00e4ter im Zuge der Entfremdung zwischen China und der UdSSR wieder auf Eis gelegt wurden. Die heutigen deutsch-chinesischen Beziehungen gehen auf das Jahr 1972 zur\u00fcck, als China sich mit der Verst\u00e4ndigung mit den USA im Zuge der so genannten Ping-Pong-Politik wieder dem Westen ge\u00f6ffnet hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der \u00d6ffnung Chinas seit den sp\u00e4ten 1970er Jahren ist das Verh\u00e4ltnis beider L\u00e4nder wieder deutlich enger geworden und inzwischen gibt es einen intensiven Austausch auf den verschiedensten Ebenen. Besonders die wirtschaftlichen Beziehungen prosperieren und haben sich seit den 1980er Jahren in einem nie da gewesenen Ausma\u00df entwickelt. Auch der kulturelle Austausch ist intensiver geworden, seit mit dem Goethe-Institut in Peking noch in den sp\u00e4ten 1980er Jahren das erste westliche Kulturinstitut in Peking er\u00f6ffnet wurde und in den 2000er Jahren umgekehrt China in Deutschland eine ganze Reihe von Konfuzius-Instituten er\u00f6ffnet hat. Wie sich die guten Beziehungen zwischen beiden L\u00e4ndern in den n\u00e4chsten 150 Jahren entwickeln werden, muss die Zukunft zeigen &#8211; aber alles deutet darauf, dass die Zusammenarbeit sich eher noch enger gestalten wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus \u201eChina in D\u00fcsseldorf \u2013 D\u00fcsseldorf in China (2011) ISBN-13: 978-3-943343-00-7 Mit freundlicher Genehmigung der Deutsch-Chinesischen Verlagsanstalt Deutschland und China von Dr. Cord Ebersp\u00e4cher Die deutsch-chinesischen Beziehungen F\u00fcr den Beginn der Beziehungen zwischen Deutschland und China lassen sich viele &hellip; <a href=\"http:\/\/china-in-deutschland.de\/?page_id=2\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":167,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2"}],"version-history":[{"count":16,"href":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":319,"href":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2\/revisions\/319"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/167"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/china-in-deutschland.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}